Institut für Neuropathologie

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Primäre Lymphome des ZNS

Primäre Lymphome des ZNS (PCNSL) sind extranodale Lymphome im Zentralnervensystem (ZNS) ohne eine extracerebrale Lymphom-Manifestation. Sie sind damit von den sogenannten sekundären Lymphomen des ZNS zu unterscheiden, bei denen Lymphom-Manifestationen außerhalb des ZNS bekannt sind und die metastatische Absiedlungen darstellen.
Die Inzidenz der PCNSL ist in den letzten Jahren sowohl bei HIV-negativen als auch bei HIV-positiven Personen signifikant angestiegen, von 2% aller ZNS-Neoplasien 1980 auf jetzt 6,6%. Die Pathogenese dieser hochmalignen Tumoren ist bislang weitgehend unbekannt. Insbesondere ist völlig unklar, wie im ZNS, das normalerweise keine B-Lymphozyten enthält, Lymphome entstehen können. Wissenschaftliche Untersuchungen werden dadurch erschwert, dass die Sicherung der Diagnose in der Regel anhand stereotaktischer Biopsien erfolgt, so dass nur sehr kleine Gewebeproben zur Verfügung stehen.
PCNSL können Patienten jeder Altersstufe betreffen, wobei bei immunkompetenten Personen die 6. und 7. Lebensdekade bevorzugt sind. Mehr als 60% der Lymphome sind supratentoriell lokalisiert, hier gehäuft in frontalen oder periventrikulären Regionen. Nach wie vor ist diese Lymphom-Entität mit einer sehr schlechten Prognose verbunden.

pcnsl_1_s.jpgHistopathologisch erkennt man PCNSL an ihrer Eigenschaft, dass die malignen, großen, blastären Lymphomzellen das Hirnparenchym diffus infiltrieren und dabei ein angiozentrisches Wachstumsmuster zeigen (Abbildung 1), wobei sie die Gefäßwände durchsetzen (Abbildung 2). PCNSL leiten sich fast ausschließlich von B Lymphozyten ab und exprimieren entsprechende, für B-Zellen charakteristische Zelloberflächenmoleküle wie zum Beispiel das CD20-Antigen (Abbildung 3).

 

pcnsl_2_s.jpgCharakteristischerweise liegen die Tumorzellen in einem Infiltrat nicht-maligner, leukozytärer Zellen, bestehend aus B Lymphozyten (Abbildung 3), T Lymphozyten (Abbildung 4) und Makrophagen (Abbildung 5). Die Tumorzellen weisen eine sehr hohe Mitoseaktivität sowie einen sehr hohen Proliferationsindex auf (Abbildung 6). Reaktionen umgebender residenter Zellen des ZNS sind prominent, so findet man eine reaktive astrozytäre Gliose sowie eine markante Mikroglia-Aktivierung.

 

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Nach der WHO-Klassifikation werden diese hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphome der Gruppe der diffus großzelligen Lymphome (DLBCL) zugeordnet. Allerdings unterscheiden sie sich in ihrem biologischem Verhalten wesentlich von extracerebralen DLBCL: Sie sind mit einer signifikant kürzeren Überlebensrate assoziiert, so dass sich aufgrund dieser klinischen Beobachtungen die wichtige Frage stellt, ob PCNSL nicht eher eine eigene Krankheitsentität darstellen.

 

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Die Pathogenese von PCNSL ist in vielen Aspekten noch ungeklärt. Folgende pathogenetisch relevante Fragenkomplexe wurden an PCNSL immunkompetenter Personen untersucht:
 

  • Histogenetischer Ursprung der Tumorzellen
  • Rekurente Translokationen
  • Identifizierung unbekannter Translokationspartner des BCL6-Gens
  • Prozess der aberranten somatischen Hypermutation in PCNSL
  • Ausbleibender Immunglobulin-Klassenwechsel
  • Genexpressionsprofile
  • Blockierung der terminalen Differenzierung
  • Expression und zelluläre Lokalisation von Chemokinen
  • Mechanismen der Rezidiv-Entstehung

 

Zudem mehren sich die Hinweise, dass HIV-assoziierten und nicht-HIV-assoziierten PCNSL unterschiedliche pathogenetische Mechanismen zugrunde liegen. Die nicht HIV assoziierten PCNSL sind überwiegend - zu mehr als 95% - Epstein-Barr-Virus (EBV) negativ, ganz im Gegensatz zu den HIV-positiven PCNSL, die in der Regel - zu 90% - auch EBV-positiv sind.